Welche Kassette passt an mein Rad?
Bei einer Kassette scheitern Bestellungen fast immer an derselben Stelle — am Freilaufkörper.
Denn eine Kassette wird nicht auf die Nabe geschraubt, sondern auf eine Verzahnung aufgeschoben — und davon gibt es mehrere, die untereinander nicht kompatibel sind.
Diese Seite zeigt, welche Standards es gibt, wie Sie Ihren in einer Minute erkennen — und was bei Gangzahl und Abstufung zu beachten ist.
1. Der Freilaufkörper — die entscheidende Frage
Was er ist: Der Teil der Hinterradnabe, auf den die Kassette aufgeschoben wird. Seine Verzahnung überträgt das Antriebsmoment.
Warum es mehrere gibt: Weil moderne Kassetten immer kleinere kleinste Ritzel haben — und die passen irgendwann nicht mehr über den klassischen Freilaufkörper.
HG — HyperGlide
Der klassische Standard. Von Shimano entwickelt und auch von SRAM verwendet.
Wo er verbaut ist: An praktisch allen Rädern mit 7- bis 11-fach-Antrieb — Trekkingräder, Alltagsräder, ältere Mountainbikes und viele Rennräder.
Das kleinste mögliche Ritzel: 11 Zähne.
Warum das die Grenze ist: Der Freilaufkörper hat einen bestimmten Außendurchmesser — und ein Ritzel mit weniger als 11 Zähnen ist schlicht kleiner als dieser Durchmesser.
Micro Spline
Shimanos eigener Standard für 12-fach.
Was ihn ausmacht: Ein kleinerer Durchmesser mit feinerer Verzahnung.
Was das ermöglicht: Ein kleinstes Ritzel mit 10 Zähnen.
Wo er verbaut ist: An Shimano-12-fach-Mountainbike-Antrieben — Deore, SLX, XT und XTR.
XD und XDR
SRAMs Standard — XD fürs Mountainbike, XDR fürs Rennrad.
Was sie ermöglichen: Ebenfalls ein 10-Zahn-Ritzel — bei SRAM-12-fach-Kassetten.
Der Unterschied zwischen XD und XDR: XDR ist 1,85 Millimeter länger — abgestimmt auf die breitere Rennrad-Nabe.
So erkennen Sie Ihren Standard in einer Minute
Zählen Sie die Zähne am kleinsten Ritzel Ihrer vorhandenen Kassette.
11 Zähne oder mehr → in aller Regel HG.
10 Zähne → Micro Spline (bei Shimano) oder XD/XDR (bei SRAM).
Der zweite Weg: Nehmen Sie die Kassette ab und schauen Sie sich die Verzahnung des Freilaufkörpers an.
HG hat breite, ungleichmäßig verteilte Keile — eine davon ist breiter, damit die Kassette nur in einer Position passt.
Micro Spline hat deutlich feinere Zähne auf kleinerem Durchmesser.
XD hat ein Gewinde — die Kassette wird dort aufgeschraubt statt aufgeschoben.
Wenn Ihr Freilaufkörper nicht passt
Die gute Nachricht: Bei vielen Naben lässt er sich tauschen.
Wie das geht: Bei den meisten hochwertigen Naben — etwa von DT Swiss — lässt sich der Freilaufkörper abziehen und durch einen anderen ersetzen.
Was Sie dafür brauchen: Ein Umrüstkit für Ihre Nabe.
Was Sie prüfen sollten: Ob Ihre Nabe das überhaupt vorsieht. Bei einfachen Naben ist der Freilaufkörper nicht wechselbar — dann bleibt nur ein neues Laufrad oder ein Neuaufbau.
Nennen Sie uns Ihre Nabe, dann klären wir, ob ein Umbau möglich ist.
2. Die Gangzahl
Warum sie exakt stimmen muss: Je mehr Ritzel, desto enger stehen sie beieinander — und desto schmaler ist die Kette.
Was daraus folgt: Kassette, Kette, Schaltwerk und Schalthebel müssen dieselbe Gangzahl haben.
Wie Sie prüfen: Zählen Sie die Ritzel.
Ein Hinweis zu 8- und 9-fach: Bei Shimano sind die Zugverhältnisse dieser beiden identisch — Schalthebel und Schaltwerke lassen sich teils kombinieren. Bei der Kassette gilt das nicht: Die Ritzelabstände unterscheiden sich.
3. Die Abstufung — und was die Bandbreite bedeutet
Wie eine Abstufung angegeben wird: Als kleinstes und größtes Ritzel — etwa 11-28, 11-42 oder 10-51.
Was die Bandbreite ist: Das Verhältnis zwischen beiden — bei 10-51 sind es rund 510 Prozent.
Was das praktisch heißt: Der leichteste Gang ist gut fünfmal so leicht wie der schwerste.
Eng oder weit — die Abwägung
Eine enge Abstufung — etwa 11-28 am Rennrad.
Was dafür spricht: Die Sprünge zwischen den Gängen sind klein. Man findet immer den Gang, in dem die Trittfrequenz stimmt.
Eine weite Abstufung — etwa 10-51 am Mountainbike.
Was dafür spricht: Sehr leichte Gänge am Berg und trotzdem Tempo in der Ebene.
Was Sie dafür in Kauf nehmen: Größere Sprünge zwischen den Gängen.
Warum das bei 1-fach-Antrieben nötig ist: Ohne Umwerfer muss die Kassette den gesamten Übersetzungsbereich allein abdecken.
Die Kapazität des Schaltwerks
Der Punkt, der beim Wechsel auf eine größere Kassette übersehen wird.
Was gemeint ist: Jedes Schaltwerk hat eine Obergrenze für das größte Ritzel.
Was bei Überschreitung passiert: Das Schaltwerk kommt dem größten Ritzel zu nah — im ungünstigsten Fall berührt es die Zähne.
Und der zweite Punkt: die Kettenlänge.
Eine größere Kassette braucht mehr Kette. Wer nur die Kassette tauscht und die Kette behält, überdehnt das Schaltwerk auf dem größten Ritzel — und im ungünstigsten Fall reißt es ab.
Was daraus folgt: Bei einem Wechsel auf eine größere Abstufung gehören Schaltwerkskapazität und Kettenlänge geprüft.
Kette und Kassette verschleißen gemeinsam
Das ist der Zusammenhang, der über die Kosten entscheidet.
Was passiert: Eine Kette längt sich mit der Zeit. Nicht weil sich das Metall dehnt, sondern weil Bolzen und Innenflächen abgetragen werden.
Was daraus folgt: Eine gelängte Kette greift nicht mehr sauber in die Zahnzwischenräume — und frisst ihre eigene, falsche Form in die Ritzel hinein.
Der entscheidende Punkt:
Wer rechtzeitig wechselt — bei etwa 0,5 Prozent Längung, gemessen mit einer Verschleißlehre — erhält Kassette und Kettenblatt über mehrere Kettenwechsel hinweg.
Wer zu lange wartet, tauscht am Ende alles zusammen.
Warum das bei 12-fach besonders lohnt: Eine 12-fach-Kassette kostet ein Vielfaches einer Kette — und bei Micro Spline oder XD kommt hinzu, dass sie nur mit dem passenden Freilaufkörper funktioniert.
Ein praktischer Hinweis: Eine Kettenverschleißlehre kostet wenige Euro und schafft in Sekunden Klarheit. Wir messen es bei jeder Inspektion mit — und bei jedem Reifenwechsel, weil das Laufrad ohnehin draußen ist.
Wann Einzelritzel die günstigere Lösung sind
Ein Punkt, den kaum jemand kennt.
Wie eine Kassette verschleißt: Nicht gleichmäßig.
Was am stärksten leidet: Die Ritzel, die am häufigsten gefahren werden — bei den meisten Fahrern die mittleren und kleinen.
Warum kleine Ritzel besonders betroffen sind: Bei wenigen Zähnen verteilt sich die Kraft auf weniger Kettenglieder im Eingriff. Jeder einzelne Zahn trägt mehr.
Was daraus folgt: Bei manchen Kassetten lassen sich einzelne Ritzel ersetzen, statt die komplette zu tauschen.
Wo das geht: Bei Shimano-Kassetten, die aus Einzelritzeln aufgebaut sind — und für die Shimano Ersatzteile führt.
Woran Sie erkennen, dass nur ein Ritzel betroffen ist: Die Kette springt in genau einem Gang über — und die Zähne dieses Ritzels sind im Vergleich zu den Nachbarn hakenförmig verformt.
Ein wichtiger Hinweis: Wenn auch die Nachbarritzel hakenförmig sind, ist der Einzelersatz nicht die richtige Lösung.
Und was Sie dabei häufig zusätzlich brauchen: Den Verschlussring. Er ist bei Einzelritzeln nicht dabei — und wenn seine Werkzeugverzahnung beim Ausbau ausgerundet ist, steht das zerlegte Laufrad still.
Der Wechsel — was Sie brauchen
Einen Kassettenabzieher passend zur Verschlussmutter.
Eine Kettenpeitsche.
Warum die: Der Freilauf dreht in eine Richtung mit. Ohne Gegenhalten lässt sich die Verschlussmutter nicht lösen.
Und einen Drehmomentschlüssel. Das Anzugsmoment liegt höher, als viele erwarten.
Beim Ausbau: Den Abzieher vollständig ansetzen, bevor Kraft aufgebracht wird.
Warum: Bei verkantetem Werkzeug rundet die Verzahnung des Verschlussrings aus — und dann bekommt man ihn nicht mehr heraus.
Beim Einbau: Den Freilaufkörper reinigen und auf Einlaufspuren prüfen.
Warum: Bei einem Aluminium-Freilaufkörper haben sich die Ritzel häufig eingegraben — dann sitzt auch die neue Kassette schief.
Und das Gewinde fetten. Ein trocken eingeschraubter Verschlussring kann sich festfressen — und ein ungefettetes Gewinde ist eine häufige Ursache für Knackgeräusche.
Die Kurzfassung
Zählen Sie die Zähne am kleinsten Ritzel. 11 oder mehr bedeutet in aller Regel HG, 10 bedeutet Micro Spline oder XD.
Zählen Sie die Ritzel. Die Gangzahl muss zu Schaltwerk, Schalthebel und Kette passen.
Prüfen Sie beim Wechsel auf eine größere Abstufung Schaltwerkskapazität und Kettenlänge.
Und wechseln Sie die Kette rechtzeitig. Das ist die wirksamste Maßnahme, um die Kassette zu erhalten.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich meinen Freilaufkörper? Am schnellsten über das kleinste Ritzel Ihrer Kassette: 11 Zähne oder mehr bedeutet in aller Regel HG, 10 Zähne bedeutet Micro Spline (Shimano) oder XD/XDR (SRAM).
Passt eine 12-fach-Kassette auf meinen HG-Freilauf? Nur, wenn sie mit 11 Zähnen beginnt. Kassetten mit 10-Zahn-Ritzel brauchen Micro Spline oder XD — der HG-Körper ist dafür schlicht zu dick.
Kann ich meinen Freilaufkörper umrüsten? Bei vielen hochwertigen Naben ja — dafür gibt es Umrüstkits. Bei einfachen Naben ist er nicht wechselbar. Nennen Sie uns Ihre Nabe, dann klären wir es.
Muss ich die Kette mitwechseln? Wenn sie gelängt ist, ja. Eine neue Kassette auf einer verschlissenen Kette springt genauso — die beiden verschleißen gemeinsam.
Kann ich ein einzelnes Ritzel tauschen? Bei manchen Kassetten ja. Erkennbar daran, dass die Kette in genau einem Gang überspringt und dieses Ritzel im Vergleich zu den Nachbarn hakenförmig verformt ist.
Antriebsservice in Schwäbisch Gmünd: Wir bestimmen Ihren Freilaufstandard, messen Kette und Ritzel auf Verschleiß und übernehmen den Wechsel einschließlich Schaltungseinstellung. Telefonisch erreichbar unter 07171 929 556.
Kassetten und Ritzel in unserem Sortiment
9-fach, HG: Shimano CS-HG400, 11-28 Zähne.
12-fach, Micro Spline: Shimano SLX CS-M7100, 10-45 Zähne.
Einzelritzel und Verschlussringe für die Kassetten CS-M771 (9-fach) und CS-LG700 (LinkGlide) — für den Einzelersatz statt Komplettwechsel.
Das vollständige Sortiment finden Sie unter Kassetten und Ritzel und Ritzelpakete. Passende Ketten unter Ketten, Umrüstkits für Freilaufkörper unter Umrüstkits und das Werkzeug unter Werkstattbedarf.

